Die Arbeit des Kindes

Die Arbeit des Kindes spielt in der Montessori-Pädagogik eine zentrale Rolle. Maria Montessori hat erkannt, dass die intensive Tätigkeit von Kindern ‚Arbeit‘ bedeutet, z.B. wenn sie sich mit den Materialien zu den „Übungen des praktischen Lebens“ oder Mathematik beschäftigen. Beim Arbeiten verbinden sich immer praktisches Tun mit emotionalen, sozialen und kognitiven Lernprozessen und es verbinden sich ‚Ich‘ und ‚Welt‘.

Die Arbeit des Kindes hat jedoch ganz andere Merkmale als die Arbeit des Erwachsenen, die häufig mit Willensanstrengung, Effizienz und Ergebnisorientierung verbunden ist. “Arbeitet ein Kind, so tut es dies nicht, um ein äußeres Ziel zu erreichen. Sein Ziel ist das Arbeiten” [21]. Typisch für die Arbeit des Kindes ist auch, dass es nicht den Weg des geringsten Kraft- und Zeitaufwandes sucht und von sich aus keine Belohnung erwartet. Ein starker innerer Antrieb bringt das Kind dazu, selbständig tätig zu sein und dabei eigene Wege und Möglichkeiten auszuprobieren. Gleichzeitig entwickeln sich in Verbindung damit Disziplin und innere Ordnung; die eigenen Strebungen, Impulse und Bewegungen ordnen sich der Notwendigkeit einer Sache zu. Die beste Voraussetzung für diesen Prozess ist die freie Wahl der Arbeit, einer Arbeit, „die der Mensch in seinem Innersten anstrebt.“

Für kleine Kinder stehen an erster Stelle die Arbeiten „zur Pflege der eigenen Person und zur Pflege der Umgebung“. Allmählich erweitert sich ihr Aktionsradius; sie haben großes Interesse, handelnd auszuprobieren, wie die Dinge in ihrer Umgebung funktionieren und wie sie hergestellt werden. Gleichzeitig wollen sie Dinge für den eigenen Bedarf oder für die Gemeinschaft herstellen, zunächst für die Familie und ‚Peer-Group‘. Mit zunehmendem Alter wächst das Bedürfnis, so zu arbeiten, dass das Ergebnis nicht nur für einen selbst, sondern auch in den Augen anderer einen Wert hat. Die Kinder und Jugendlichen haben dann auch den Wunsch, durch ihre Arbeit beizutragen zum Erhalt und zur Gestaltung „des Ganzen“. Die Bedeutung der Arbeit für die Jugendlichen schildert Maria Montessori ausführlich im „Erdkinderplan“.

Darüber hinaus sieht Maria Montessori das Kind in einem weiteren Sinne als Arbeiter und Erzeuger. Es hat eine “große, wichtige und schwere Aufgabe zu erfüllen: die Aufgabe, den Menschen zu bilden.”

Es ist Aufgabe des Erwachsenen, das Kind bei seiner „Bildungsarbeit“ zu unterstützen und ihm eine Umgebung zu schaffen, die ihm diese Aufgabe erleichtert.