Inklusion

Inklusion ist das zentrale Anliegen der Montessori-Schule als „Eine Schule für alle“. Inklusion heißt, dass SchülerInnen verschiedener Altersstufen, Begabungen und Temperamente miteinander lernen können, mit verschiedenen Stärken und Schwächen und mit unterschiedlichem Lern- und Entwicklungstempo. Das Prinzip der Heterogenität gilt nicht nur für die gemischte Zusammensetzung der Lerngruppen, sondern auch hinsichtlich der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen.

“Der Weg, auf dem die Schwachen sich stärken, ist der Gleiche wie der, auf dem die Starken sich vervollkommnen” [149].

Die Praxis der Inklusion bringt es mit sich, dass Kinder und Jugendliche nicht nach Leistungsstand und Begabung selektiert werden. Dadurch ist die Identitätsentwicklung der Kinder und Jugendlichen unbelastet von der Erfahrung einer Zuteilung zu verschiedenen Schularten - dies begünstigt die Entwicklung eines positiven Selbstbildes. Das bedeutet auch, dass Ghettoisierung, Ausgrenzung und Stigmatisierung von Kindern mit und ohne Behinderungen vermieden werden kann. Inklusion gibt Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung die Chance, Verständnis und Respekt für die Andersartigkeit und Besonderheit anderer Menschen zu entwickeln und selbstverständlich gegenseitige Hilfsbereitschaft zu praktizieren.

Seit Aufhebung der Lernzielgleichheit 2003 sind die rechtlichen Voraussetzungen für Inklusion von Kindern mit Behinderungen an Schulen gegeben. Fakt ist jedoch, dass vom Bayerischen Kultusministerium für die praktische Umsetzung der Inklusion keine besonderen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden. Das heißt, dass die notwendige Betreuung von SchülerInnen mit besonderem Förderbedarf in der Schule durch SonderpädagogInnen sowie TherapeutInnen nicht gewährleistet werden kann. Inklusion von Kindern mit Behinderungen oder gravierenden Entwicklungsstörungen wird oft nur mit viel persönlichem Engagement und ehrenamtlichem Einsatz von Seiten der PädagogInnen sowie Eltern verwirklicht. Das große Engagement kann jedoch die fachlich notwendige Förderung nicht ersetzen.

Auf Grund mangelnder sonderpädagogischer und therapeutischer Unterstützung muss bei der Aufnahme eines Kindes mit besonderem Förderbedarf besonders gut geprüft werden, ob die gewünschte Schule für dieses eine Kind eine geeignete Lernumgebung und optimale Lern- und Entfaltungsmöglichkeiten bereitstellen kann und ob das pädagogische Team für Art und Umfang der besonderen Förderung fachlich vorbereitet ist. Um dies zu entscheiden, muss vor der Schulaufnahme auch von fachlicher Seite der notwendige Förderbedarf festgestellt werden.

Auf Initiative des „Montessori Landesverband Bayern“ wurde von verschiedenen Fachleuten ein „Integrationsleitfaden“ zusammengestellt, in dem praktische Erfahrungen von derzeit in Bayern praktizierter integrativer Arbeit in Schulen und anderen Einrichtungen beschrieben werden.