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Buchbesprechung zu: Wagnis Solidarität. Zeugnisse des Widerstehens angesichts der NS-Gewalt

20.04.2016

AutorInnen: Ingeborg und Jürgen Müller-Hohagen

Besprechung: Monika Nather


Häftlinge haben überlebt, weil Mitgefangene ihnen Essen aufgespart hatten… Sie zeigten sich solidarisch und haben nicht mitgemacht, obwohl es sehr gefährlich für das eigene Leben war. Sie haben etwas getan…

Ich ziehe eine Linie von den berührenden Berichten dieses Buches zu den zwei- oder dreitägigen Studientagen an der Gedenkstätte Dachau, die in jedem Jahr für unsere Hohenbrunner Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 10 eingeplant sind. Eintauchen in die bedrückende Atmosphäre des Geländes und das Nachforschen von Einzelschicksalen der Inhaftierten und Verfolgten gehen den Jugendlichen unter die Haut. Sie erleben Geschichte. Sie empfinden und sagen: „Das darf nie mehr passieren.“

Das Buch von Ingeborg und Jürgen Müller-Hohagen „Wagnis Solidarität. Zeugnisse des Widerstehens angesichts der NS-Gewalt“ war überfällig. Es stellt Beispiele mitmenschlicher Solidarität und Humanität vor uns hin aus dieser unvorstellbar brutalen Zeit an diesem unmenschlichen Ort des KZ Dachau. Die Gedanken und Zitate lassen mutige Menschen zu Wort kommen und geben somit den Schülerinnen und Schülern eine Perspektive für ihr eigenes Handeln. Das wird sehr hilfreich sein bei unserem nächsten Besuch dort.

Gegliedert ist das Buch in drei Hauptteile:

  • „Zeugnisse solidarischen Widerstehens“, in dem acht Menschen vorgestellt werden, die sich entschlossen und couragiert dem NS-Terror widersetzten.
  • „Wagnis Solidarität“ beleuchtet das große Risiko, das Menschen im Widerstand eingingen und wie oft dies später in Vergessenheit geriet.
  • „Das Erbe annehmen“ zeigt aus ihrer eigenen Arbeit in Schule und psychologischer Beratung und Therapie Erfahrungen und Einsichten der AutorInnen hinsichtlich Widerstand und Solidarität. Dabei werden auch Begegnungen an Montessori-Schulen mit Überlebenden geschildert, und ehemalige Schülerinnen berichten von heute her, was ihnen dies für ihr Leben bedeutet.

Wir befinden uns heute in Deutschland und Europa in einer großen Solidaritätskrise. Die AutorInnen weisen eindringlich darauf hin. Insgesamt wollen sie mit ihrem Buch einen Betrag leisten zu einer heute stärker von Solidarität bestimmten Gesellschaft.

Für die Jugendlichen machen dies die Worte von Frau Centa Herker-Beimler, einer KZ-Überlebenden aus Dachau, anschaulich:
„Nazipropaganda gibt es immer noch, und je besser man von früher Bescheid weiß, umso weniger geht man ihr auf den Leim… Und dann ist mir noch wichtig: Man kann nicht einfach danebenstehen und wegschauen, wenn etwas Ungerechtes geschieht…Und  heute kann ich das noch weniger verstehen, wo es doch den Menschen meist viel besser geht und sie keine Angst haben müssen, dass sie gleich verhaftet werden.“

Das Buch gibt uns viele neue Denkanstöße. Es hat mir persönlich sehr gut getan, und ebenso bin ich mir sicher, dass meine Schülerinnen und Schüler daraus wichtige Anregungen für ihr Denken und Handeln entnehmen können.