Leistungen für Mitglieder

Ziel des Landesverbandes

Der Landesverband dient der Förderung und Verwirklichung der Montessori-Pädagogik. Durch die Verbreitung der Montessori-Pädagogik will er die Rechte der Kinder und Jugendlichen sowie der Eltern stärken. Der Verband vertritt als Dachverband die gemeinsamen Belange der Mitglieder.

Die Aufgaben des Verbandes sind in fünf Bereiche unterteilt:

QUALITÄTSSICHERUNG
Wir sichern die Qualität der Montessori-Pädagogik und bringen sie in Diskussionen intern und öffentlich voran.

PR-ARBEIT
Wir tragen die Essenz der Montessori-Pädagogik weiter und sorgen für ihre Verbreitung.

BILDUNGSPOLITIK
Wir sind eine bildungspolitische Kraft im Gespräch mit Kultus- und Sozialministerium seit 1985.

EXISTENZSICHERUNG
Wir stützen unsere Einrichtungen in ihrer Existenzsicherung, im Aufbau und in der Weiterentwicklung.

VERNETZUNG
Wir schaffen eine Vernetzung der Montessori-Initiativen sowohl intern als auch extern, regional und überregional.

Die vier Grundwerte des Landesverbandes:

GELASSENHEIT
Wir sind gelassen, weil wir überzeugt von der Sache sind und in gegenseitiger Anerkennung bewusst, offen, vertrauensvoll und entspannt miteinander leben und arbeiten.

QUALITÄT
Wir sichern Qualität durch professionelles Handeln und professionelle Strukturen. Dies zeigt sich in persönlicher Kompetenz und einem ausgewogenen Verhältnis von Innovation und Nachhaltigkeit.

ACHTSAME KOMMUNIKATION
Wir kommunizieren achtsam, indem wir freundlich, empathisch, klar und offen auf Augenhöhe im Dialog sind. Daraus entstehen ein respektvolles Miteinander und gegenseitige Wertschätzung.

INTEGRITÄT
Wir sind integer. Wir handeln verantwortlich, zuverlässig und authentisch. Wir gehen aufrichtig und ehrlich miteinander um.

HISTORIE DES VERBANDES

Die erste deutsche Montessori-Schule wurde 1923 in Jena gegründet. Sie bestand bis 1929 und wurde dann von der nationalsozialistisch bestimmten Landesregierung von Thüringen verboten und geschlossen. Dieses Schicksal widerfuhr bis 1936 allen Montessori-Einrichtungen in Deutschland. Einige Montessori-Pädagogen wurden in Konzentrationslagern interniert und kamen dort um. So musste nach 1945 wieder neu angefangen werden. Begonnen wurde die Wiederaufbauarbeit mit den Schwerpunkten in Nordrhein-Westfalen und Berlin von Montessori-Pädagogen, die bereits vor der Naziherrschaft gewirkt hatten.

Heute arbeiten in Deutschland über 1.000 Kinderhäuser und Schulen nach den Prinzipien der Montessori-Pädagogik. Eine genaue Statistik liegt nicht vor, da nicht alle Montessori-Einrichtungen verbandsmäßig organisiert sind. Dies liegt u.a. daran, dass die Einrichtungen sehr unterschiedliche Träger wie z.B. Vereine, Kommunen, Länder und Kirchen haben.

In Bayern begann der Wiederaufbau vor gut 40 Jahren durch den Münchner Kinderarzt Prof. Theodor Hellbrügge, der in seiner wegweisenden Einrichtung eine innige Verbindung von Medizin und Pädagogik praktizierte. Auch in den neuen Bundesländern wurden und werden nach der Wende Montessori-Einrichtungen aufgebaut.

In Deutschland gibt es rund 600 Kindertagesstätten (Kinderkrippen und -häuser) und etwa 400 Schulen, die nach den Prinzipien der Montessori-Pädagogik arbeiten. Schulen existieren in unterschiedlichen Formen, von der Grundschule bis zum Gymnasium, aber auch Förderschulen, teilweise in Montessori-Zweigen von öffentlichen oder kirchlichen Schulen. So bunt wie unsere föderalistische Bildungslandschaft sind auch die Montessori-Schulen in Deutschland: So gibt es z.B. in Nordrhein-Westfalen Montessori-Schulen mehrheitlich als weiterführende Schulen (Gesamtschulen und Gymnasien) in kommunaler Trägerschaft, in Bayern hingegen überwiegend Volksschulen ausschließlich in freier Trägerschaft. Nordrhein-Westfalen und Bayern sind auch die Bundesländer mit dem größten Angebot an Montessori-Einrichtungen, allerdings völlig unterschiedlich organisiert.

In den letzten 25 Jahren setzte bei Schulen in freier Trägerschaft ein regelrechter Boom ein. Jährlich werden in Deutschland etwa sieben Montessori-Schulen gegründet, davon durchschnittlich zwei in Bayern. Die Schulneugründungen in Bayern sind in der Regel Elterninitiativen. Die Motive der Eltern basieren im Allgemeinen auf Unzufriedenheit mit dem öffentlichen Schulsystem.

Im 1985 gegründeten Montessori Landesverband Bayern waren zunächst neun Montessori-Vereine organisiert, heute sind es fast 120, die rund 80 Kinderhäuser und ebenso viele Schulen betreiben. Den Grundstock der bayerischen Montessori-Schulen bilden die etwa 80 Volksschulen, überwiegend bestehend aus Grund- und Hauptschule. Die Hauptschulen haben in der Regel M-Klassen, die zum mittleren Schulabschluss führen. Als weiterführende Schulen dieser Hauptschulen wurden bisher acht Montessori-Fachoberschulen gegründet. Biberkor, im Landkreis Starnberg, ist das einzige Montessori-Gymnasium in Bayern.

In nahezu allen Bundesländern gibt es Montessori-Landesverbände, in denen sich die Montessori-Einrichtungen organisieren. Sie vertreten die Belange ihrer Einrichtungen gegenüber den staatlichen Organen, sie unterstützen Gründungsinitiativen und kümmern sich um die Qualitätssicherung und Vernetzung.

Die Landesverbände haben sich mit den Montessori-Ausbildungseinrichtungen im Montessori Dachverband Deutschland zusammengeschlossen. Der Dachverband leistet bildungspolitische Öffentlichkeitsarbeit und Interessenvertretung, entwickelt Ausbildungsstandards und sorgt für eine kontinuierliche Qualitätsentwicklung der Montessori-Einrichtungen.

von Günter Matthes
(ehemaliger Aufsichtsrat des Montessori Landesverband Bayern e. V.)