Häufig gestellte Fragen

Darf ein Kind in einer Montessori-Einrichtung nicht tun und lassen, was es will?

In der Montessori-Pädagogik spielt die Freiheit eine besondere Rolle. Die Freiheit zu etwas, nicht die Freiheit von etwas. So gibt es ganz klare Regeln und Grenzen, innerhalb derer die Freiheit zum Tragen kommt. Ein Montessori-Zitat drückt dies deutlich aus: "Die Freiheit muss erobert werden!" Hier wird klar, dass es keinen Freiheitsvorschuss gibt, sondern die gesamte Umgebung des Kindes darauf abgestimmt sein muss. Das bedeutet: Die Pädagogen müssen sehr viel um die Entwicklungsphasen eines Kindes wissen, die Umgebung muss viele Angebote zur Selbsterziehung enthalten und auffordern zum Tun - angepasst an das Entwicklungsalter des Kindes. Und der Pädagoge muss eine Haltung der Wertschätzung, des Respekts und der Anerkennung leben. An keiner Stelle darf das Kind gedemütigt werden.

Aber, nur wenn das Kind frei wählen kann in der vorbereiteten Umgebung, zeigt es uns seine wahren Bedürfnisse und wir können wiederum die Umgebung dementsprechend gestalten, wozu auch die Person des Pädagogen gehört.

Kinder dürfen also nicht tun, was sie wollen, sondern sie  m ü s s e n  tun, was sie wollen. Zu dieser Entscheidungskraft und Urteilsfähigkeit hin begleiten wir die Kinder.

Außerdem hat nach Montessori die eigene Freiheit ihre Grenzen dort, wo der Raum des anderen beginnt.

Lernen die Kinder genug? Wird auch Leistung gefordert?

Montessori-Pädagogik ist per se eine Leistungspädagogik. Wenn Kinder und Jugendliche ihre Grenzen ohne schädliche Wertung von außen erfahren dürfen, dann bleiben sie im sogenannten "Lern-Flow". D.h., sie fordern sich, weil es Freude macht, das eigene Dopaminsystem anzukurbeln und nicht weil ein Test ansteht oder eine Probe. Das beinhaltet auch, dass den Kindern für ihre persönlichen Erfolge manchmal mehr Zeit eingeräumt werden muss oder umgekehrt auch, dass sie schneller vorankommen und "Futter" brauchen.

Kinder werden darin begleitet, dass sie selbst es gut machen wollen, dass sie selbst den Mut haben, Fehler zu machen, aus denen sie lernen, und weitere Schritte erkennen. Allein die Tatsache, nicht gedemütigt zu werden, ermöglicht vielen, an ihr eigenes Leistungspotenzial zu kommen. Leistung wird jedoch nicht minimalistisch definiert, wie üblicherweise im gesellschaftlichen Kontext, sondern sehr ausführlich im pädagogischen Kontext.

Leidet bei der Individualisierung nicht die Sozialerziehung?

Individualisierung bedeutet nicht Vereinzelung. Die individuelle Begleitung sieht die Montessori-Pädagogik darin, dass die Umgebung die Antworten bietet, die das Kind als Frage mitbringt, also orientiert an seiner persönlichen Entwicklung. Gleichzeitig wird das Kind als soziales Wesen geboren und hat kein stärkeres Bedürfnis, als in einer Gemeinschaft anerkannt zu werden und eine bedeutsame Rolle zu spielen. Sehr früh arbeiten Kinder in Montessori-Einrichtungen deshalb mit anderen zusammen, da sie nicht von außen in einen wertenden Vergleich gezwungen werden.

Außerdem wird keinerlei Selektion betrieben, d.h., es wird nicht unterteilt in "Gute" und "Schlechte" und nicht benotet. Kinder vergleichen sich selbst miteinander, aber niemals unter wertenden Gesichtspunkten, wenn wir uns nicht einmischen.

Inklusion wird bei uns gelebt, nicht diskutiert.

Müssen sich Montessori-Einrichtungen auch an Lehrplänen bzw. dem BEP orientieren?

Ja, die bayerischen Schulen unterliegen dem bayerischen Lehrplan (allerdings muss dieser nicht jahrgangsorientiert erledigt werden und viele Schüler erledigen weit mehr als gefordert) und die Kindertagesstätten erfüllen den BEP ohne Mühe, da die Montessori-Pädagogik von vornherein eine kompetenzorientierte Pädagogik ist.

Sind beim Übergang zu anderen Schulen Schwierigkeiten zu erwarten?

Beim Übergang in eine andere Schule hat jedes Kind, egal aus welcher Schule auch immer, mit vielen Neuigkeiten zu rechnen und mehr oder weniger Schwierigkeiten.

Die Rückmeldungen über Kinder aus unseren Schulen sind sehr sehr positiv. So sind Eltern, die beides (also Regelschule und Montessorischule) mit ihren Kindern erlebt haben, immer wieder erstaunt, mit welch großer persönlicher Stärke die Montessorikinder weitergehen. Gymnasiallehrer freuen sich nachweislich sehr über "Montis", da diese Kinder sozial ganz anders unterwegs sind und vor allem: Sie können lernen, denn sie wissen, was sie brauchen!

Warum gibt es nicht mehr Montessori-Einrichtungen? Es ist ja zeitgemäß und überzeugend!

In Bayern gibt es allein etwa 150 Kinderhäuser und Schulen, die in unserem Verband vertreten sind. Das ist eine ganz schöne Menge. Außerdem durchdringt diese Pädagogik zunehmend den regulären bayerischen Lehrplan, viele "Regelschulen" versuchen bereits konsequent andere Wege zu gehen und stoßen dabei immer wieder auf Montessori-Aspekte: Freiarbeit, Morgenkreis, Material usw.

Irgendwann gibt es nur noch Montessori-Einrichtungen, die vielleicht nicht so heißen, aber alle so arbeiten. Jedes Kind hat darin Platz, Vielfalt und Inklusion sind keine Themen mehr und alle wollen etwas leisten und zur Gesellschaft beitragen, weil es ihnen wichtig ist.

Das wäre doch ein Traum, den es gilt zu leben!

Inwieweit werden Eltern einbezogen? Elternarbeit?

Unterschiedlich, aber da unsere Einrichtungen meist Elterninitiativen sind, ist Elternmitarbeit und Elternarbeit gewährleistet. Eltern müssen auch auf dem anderen Weg der Pädagogik Unterstützung finden.

Deshalb gibt es in vielen Einrichtungen Elternschulen oder Ähnliches.

Hat das Personal eine besondere Ausbildung?

Die Pädagoginnen und Pädagogen haben bestenfalls alle zu ihrer pädagogischen Grundausbildung noch ein Montessori-Diplom erworben, um auch die Qualität der Arbeit halten zu können.

Welche Schritte benötigt die Gründung einer Einrichtung?

Am Anfang einer Initiative steht die Idee:
Einige engagierte Menschen haben eine Vorstellung von einem Kinderhaus oder einer Schule, die sie gern in ihrem Lebensumfeld verwirklichen möchten. Vielleicht haben sie sich auch schon mit verschiedenen reformpädagogischen Ansätzen beschäftigt und sind nun entschlossen, ein Montessori-Kinderhaus oder eine Montessori-Schule zu gründen. Die folgenden Beschreibungen und Anregungen sollen dabei behilflich sein.

Die ersten Fragen sind vermutlich:
- Wer sind die Mitstreiter?
- An wen können wir uns wenden?
- Wie sehen die ersten Schritte aus?
- Eine Art „Marktanalyse“: Gibt es im Umfeld vergleichbare Einrichtungen? Wie ist der Bedarf?

Aus der Idee gilt es, eine Vision zu entwickeln, ein Bild, das so tragfähig ist, dass wir damit alle Schwierigkeiten, die sich uns mit Sicherheit in den Weg stellen werden, meistern können; ein Bild, das allen kommenden Gegenwinden und Stürmen gewachsen ist.

In der Geschäftsstelle des Montessori Landesverbandes (Montessori Landesverband Bayern e.V. – ab jetzt MLVB genannt) finden Sie Informationen und Ansprechpartner, damit Sie Ihre Vorstellung konkretisieren und die nächsten Schritte planen können. Es steht außerdem Adressenmaterial von anderen, neuen Initiativen zur Verfügung, um durch eine frühzeitige Vernetzung einen förderlichen Informationsfluss zu gewährleisten.

Eine sinnvolle Vorgehensweise könnte sein:
- Welche Kompetenzen gibt es in unserem Team?
- Welches Wissen, welches Können gibt es bei denen, die bei uns mitmachen?

Zusammenfassung der ersten Schritte:
- Der MLVB unterstützt alle neuen Initiativen, indem er das zur Verfügung stehende Informationsmaterial bereitstellt und einen Informationsaustausch zwischen neuen Initiativen ermöglicht.
- Der erste Arbeitsschritt einer neuen Initiative besteht darin, eine genaue Vorstellung von der Einrichtung zu entwickeln, die gegründet werden soll. Wie soll sie aussehen, unsere neue Schule? Was wollen wir, was ist unser Ziel?
- Am Anfang ist ein schlagkräftiges Team entscheidend für eine wirksame Zusammenarbeit und für die notwendige Hartnäckigkeit.
- Die aktuelle Liste der Regionalsprecher kann unter info(at)montessoribayern.de angefordert werden.
- Die einzelnen Schritte zu Gründung einer Schule oder eines Kinderhauses sind nicht hintereinander, sondern gleichzeitig bzw. ineinander verschachtelt durchzuführen. Das macht einmal mehr deutlich, wie wichtig eine solide Teambildung ist und die Notwendigkeit, die vielfältigen Aufgaben auf viele engagierte Schultern zu verteilen.
 

Staatlich genehmigt oder staatlich anerkannt?

Es gibt sehr gute Gründe, warum keine einzige Montessori-Schule in Bayern staatlich anerkannt ist:
- Staatlich anerkannte Schulen müssen sich 1:1 an die Stundentafel halten. Das ist nicht mit Freiarbeit in Einklang zu bringen.
- Staatlich anerkannte Schulen sind weitestgehend an den 45-Minuten-Rhythmus gebunden.
- Staatlich anerkannte Schulen müssen Noten/Zeugnisse ausstellen und Schularbeiten und Exen zur Ermittlung der Noten schreiben.
- Staatlich anerkannte Schulen müssen nachweisen, dass die Schüler/-innen die Jahrgangsziele erreicht haben. Das ist mit altersgemischten Lerngruppen fast gar nicht möglich und vor allem überhaupt nicht erwünscht. Das individuelle Tempo bleibt damit gänzlich auf der Strecke.

Das mit den Prüfungen ist ja nur ein Teil der Auswirkungen der staatlichen Genehmigung.

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